Dienstag, 18. August 2015

Rezension: Wir Tiere von Justin Torres


Infos zum Buch:

Originaltitel: We, the Animals
Verlag: btb
Autor: Justin Torres
Seiten: 176
geb. Ausgabe: 16,99 €
Taschenbuch: 9,99 €
Ebook: 8,99 €

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Homepage des Autors
Interview 1 | Interview 2 (beide auf englisch!)


Beschreibung:

Gewalt und Mitleid, Pathos und Humor – die aufregendste junge Stimme aus den USA

Drei Brüder schlagen sich durch ihre Kindheit: Sie bewerfen sich gegenseitig mit Tomaten, bauen aus Müllsäcken Drachen, verstecken sich, wenn sich die Eltern anschreien, dreschen auf Paps und Ma ein, wenn diese lachen. Die Eltern, nur wenig älter als ihre Kinder, stammen aus Brooklyn – er ist Puerto Ricaner, sie eine Weiße -, und ihre Liebe ist eine ernsthafte, gefährliche Sache, die die Familie zusammenschweißt, sie aber auch immer wieder zerreißt. Laut ist es in diesem Haushalt und leidenschaftlich, die Jungs sind immer hungrig und wollen mehr: mehr Fleisch, mehr Krach, mehr Wärme, mehr Leben. (Quelle: btb)

Meine Meinung:

Trotz der Kürze des Buches ist es erstaunlich tiefgründig. Erzählt wird die Geschichte einer Familie mal fröhlich und heiter, dann wieder in ernsteren Tönen, welche sich unaufhaltsam ihrem bestürzenden Ende nähert. Erzähler sind die Kinder bzw. auch der jüngste Sohn, der irgendwie namenlos bleibt. Aus einem Wir wird zum Ende hin ein Ich und zeigt wie sehr sich die Brüder verändert und auseinandergelebt haben. Die jungen Eltern haben nicht nur mit sich selbst sondern auch mit ihrer Situation zu kämpfen, müssen sich aufeinander verlassen und geraten dennoch immer wieder in gewalttätiger Art aneinander wovon die Kinder nicht verschont bleiben und dies auch manchmal selber auf recht brachiale Art zum Ausdruck bringen.
Justin Torres hat einen tollen Erzähl- und Schreibstil, der sich flüssig liest und worauf er beim Schreiben geachtet hat vor allem die kleinen Dinge, die man so in der Kindheit getan hat beschrieb er sehr lebendig. Die Kapitel sind recht kurz und für mich war das Buch defintiv ein Page-Turner. Ich mochte es kaum aus der Hand legen und habe es innerhalb eines Tages verschlungen. Auch die Atmosphäre hat der Autor gut gestaltet, mal von lichten Momenten bis hin zu düsteren. Vor allem das Ende war dann doch sehr erschreckend, weil man kaum damit gerechnet hat wie sich der jüngste Sohn entwickelt und was dann aus ihm wird. Im Buch hat Torres diverse Themen angeschrieben wie in etwa das Leben nahe an der Armutsgrenze, Gewalt in der Familie, Rassismus und Sexualität sowie die Psyche von Kindern auf bestimmte Situationen.
Alles in allem hat mir das Buch sehr gefallen und auch wenn die Wendung zum Ende hin doch sehr plötzlich kam finde ich doch, dass ausgerechnet dieser Punkt die Familie wieder ein kleines bisschen zusammen geschweißt hat, sie aber auch widerum trennt. Ein interessanter Spagat.

Fazit:

Ehrlich gesagt weiß ich nicht wem ich das Buch empfehlen könnte. Mich hat es auf den jedenfall zum Nachdenken angeregt und wer etwas ernstere Bücher oder auch Familiendramen mag sollte einfach mal einen Blick hineinwerfen. Ich bin jedenfalls schon sehr auf weitere Bücher dieses Autors gespannt und für ein Debütwerk ist Wir Tiere allemal ein beeindruckendes Buch!

Bewertung:


Zum Autor:

Justin Torres zählt zu den interessantesten jungen Stimmen der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur. Er wurde 1980 geboren und wuchs in Upstate New York auf. Er war als Landarbeiter, Hundeausführer, Buchhändler und Lehrer für kreatives Schreiben tätig und ist gegenwärtig Wallace-Stegner-Stipendiat an der Unversität Stanford. "Wir Tiere" ist sein erster Roman, der viele begeisterte Kritiker und Leser gefunden hat, weltweit in über einem Dutzend Länder erscheint und mit dem Cabell First Novelist Award ausgezeichnet wurde.(Quelle: btb)

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