Montag, 29. Juni 2015

Rezension: Tschick von Wolfgang Herrndorf


Infos zum Buch:

Verlag: Rowohlt
Autor: Wolfgang Herndorf
Seiten: 256 Seiten
Preis:
8,99 € (Taschenbuch)
9 € (geb. Ausgabe)
8,99 € (Ebook)

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Beschreibung:

«Ein klappriges Auto kam die Straße runtergefahren. Es fuhr langsam auf unser Haus zu und bog in die Garagenauffahrt ein. Eine Minute stand der hellblaue Lada Niva mit laufendem Motor vor unserer Garage, dann wurde der Motor abgestellt. Die Fahrertür ging auf, Tschick stieg aus. Er legte beide Ellenbogen aufs Autodach und sah zu, wie ich den Rasen sprengte. ‹Ah›, sagte er, und dann sagte er lange nichts mehr. ‹Macht das Spaß?›» Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn. (Quelle: Amazon)

Meine Meinung:

Ich ärgere mich immer noch, dass ich dieses Buch nicht schon früher gelesen habe. Ich finde jeder sollte es mindestens einmal lesen!
Mitunter ist es einer der ersten Roadmovie Romane und mich konnte das Buch sehr gut unterhalten, auch wenn die beiden Jungs wesentlich jünger sind und der Text auch eher in lockerer Jugendsprache gehalten ist mit relativ kurzen Sätzen und vielen Dialogen.
Maik und Tschick sind tolle Figuren und beide so gegensätzlich. Maik kommt aus einer wohlhabenden Familie, Tschick lebt in Armut. Maik ist eher ruhig und verschlossen, vielleicht auch ein bisschen schüchtern und Tschick lebt wie es ihm gefällt ist ständig auf Drogen, gibt flapsige Antworten und hat so gar keine Berührungsängste zu Fremden. Trotzdem finde ich, dass beide Jungs eine gelungene Kombination abgeben und ich mochte sie auf Anhieb, besonders weil sie keinen Unterschied gemacht haben. Sie haben sich beide so akzeptiert wie sie sind. Das fand ich beeindruckend.
Die Geschichte beginnt zu einem späteren Zeitpunkt der Geschichte, also praktisch dem Ende der Reise und setzt danach erst an wie es dazu kam. In den ersten Kapiteln lernt man Maik, sein Leben und seine Familie kennen, ehe Tschick aufkreuzt und somit das Chaos ausbricht.
Mit einem geklauten Lada bringt er Maik dazu mit ihm einen Urlaub zu machen und so beginnt für beide Jungs der Trip ihres Lebens.
Dass das nicht ganz ohne Probleme vonstatten geht sollte klar sein und ich habe über einige Dinge oftmals schmunzeln müssen. Mit der Zeit haben sich die Jungs zusammen gerauft, bis sie schließlich Freunde wurden. Da bekommt man unweigerlich selbst Lust so einen Trip quer durchs Land zu machen.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen, ließt sich flüssig und die Kapitel sind auch nicht allzu lang.
Meine Lieblingsszenen sind vor allem die, als Tschick und Maik bei Tatjanas Party vorbeigefahren sind – eine ganz süße und coole Szene – und Tschicks Outing, als wäre es eine Nebensächlichkeit und wie locker Maik es aufgenommen hat.
Am Ende neigt sich die Story wieder dem Anfang der Geschichte zu und man erfährt anschließend wie es mit den Jungs weitergeht. Ich hätte mir gewünscht, dass es irgendwie noch mal eine Szene mit Maik und Tschick gegeben hätte, aber so war es auch ganz okay, wenn auch ein relativ offener Schluss.

Fazit:

Ein unterhaltsamer Roadmovie mit sympathischen Protagonisten, der sich sicherlich auch als Schullektüre eigenen würde. Die Handlung ist interessant aufgebaut worden und reißt den Leser von der ersten Seite an mit. Locker, leichte Unterhaltung die sich auch für den Sommer eignet.

Bewertung:


Zum Autor:

Wolfgang Herrndorf, 1965 in Hamburg geboren und 2013 in Berlin gestorben, hat ursprünglich Malerei studiert. 2002 erschien sein Debütroman «In Plüschgewittern», 2007 der Erzählband «Diesseits des Van-Allen-Gürtels», 2010 und 2011 folgten die Romane «Tschick» und «Sand». Nachdem Wolfgang Herrndorf 2010 an Krebs erkrankt war, begann er unter dem Titel «Arbeit und Struktur» ein Tagebuchblog, «in dem manche sein eigentliches Hauptwerk erkennen», so Felicitas von Lovenberg in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». (Quelle: Amazon)

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