Montag, 11. August 2014

Watcher. Ewige Jugend (Die Niemandsland-Trilogie, Band 1) von Nadine d'Arachart & Sarah Wedler (Rezension)


Infos zum Buch:

Verlag: Carlsen Impress
Seiten: unbekannt (E-Book)
Preis: 3,99 € (E-Book)

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Link zu Band 2 (bereits erhältlich)










Beschreibung:

Jolette Somerville ist ein Watcher. Ihre Aufgabe ist es die Industriellentochter Patience Leigh vor den Cupids, sogenannte Kinderfänger, zu beschützen. Bisher war das auch kein Problem, doch mit der Zeit geschehen diese Angriffe immer öfter und aus irgendeinem Grund scheinen die Cupids ausgerechnet auf Patience ein Auge geworfen zu haben. Nicht nur das, Jo muss auch feststellen, dass Patience einen zweiten Watcher namens Cy hat, was eher ungewöhnlich in ihrem Job ist. Die beiden Watcher tun sich widerwillig zusammen um Patience zu beschützen und nur mit Mühe gelingt ihnen die Flucht. Immer wieder im Visier der Cupids, erreichen sie Orte, die ihre eigenen Gesetze haben und mit der Zeit merkt Jo, dass es mehr im Leben gibt als nur einer Maschine gleich Befehle auszuführen.

Meine Meinung:

Im ersten Moment hat sich die Handlung für mich sehr interessant angehört. Ich habe bisher auch kaum Dystopien gelesen und das Cover hat mich direkt neugierig gemacht. Mir gefällt der Aufbau der Handlung. Auf der einen Seite das Leben der reichen Industriellen in der neuen fortschrittlichen Welt, die versuchen ihre Kinder mithilfe der Watcher zu beschützen, auf der anderen Seite das Niemandsland, eine verkommene Einöde vergangener Tage. Neben den Watchern gibt es auch die Cupids, die mir ehrlich gesagt viel interessanter vorkamen. Sie sind Menschen mit Gendefekten, können sich kaum dem Tageslicht aussetzen, das ihre Haut verbrennt und sind den Watchern ein Dorn im Auge, weil sie brutal sind und immer wieder Kinder entführen.
In der Handlung gibt es zwar ab und an ein paar kleine Punkte, die mich irritiert haben und auch am Anfang fällt es ein wenig schwer sich mit dieser Welt anzufreunden und zu orientieren, aber wenn man erst mal drin ist, ist die Geschichte doch recht spannend und der Actionanteil ist sehr groß, was mir besonders gefallen hat. Es gab sehr viele Kämpfe. Jo, Patience und Cy waren oft auf der Flucht, was natürlich auch sehr abenteuerlich war.
Weniger gefallen hat mir die Liebesgeschichte, denn sie wirkte irgendwie zu gewollt, als das sie funktionieren würde. Wäre es eine reine Freundschaftsgeschichte gewesen, hätte ich wohl noch einen Stern drauf gesetzt, aber es gab einfach zu viele Punkte die mich total gestört haben.
Jo wirkt zum Beispiel anfangs sehr emotionslos, ihre höchste Priorität ist es auf Patience aufzupassen und auch als Cy auftaucht wirkt sie anfangs noch skeptisch. Danach ging irgendwie alles den Bach runter. Sie nimmt Cy aus mir unerfindlichen Gründen mit um Patience zu finden und sobald Cy ihr seine Liebe gesteht, scheinen bei Jo die Gehirnzellen durchzuschmoren, denn sie kann plötzlich nicht mehr ohne ihn leben, ist ständig am heulen und ziemlich naiv. Bestes Beispiel in einer gefährlichen Situation guckt sie nur auf Cys bemuskelte Arme als sich um den Typen zu kümmern, der da in Patience Zimmer aufgetaucht ist. Ab und an kam es mir auch vor, als wären die romantischen Szenen an den falschen Stellen, es kam überhaupt keine richtige Stimmung auf.
Leider bin ich auch mit den beiden Protagonisten nicht warm geworden. Jos Gefühlswirrwarr war manchmal nachzuvollziehen, aber oft auch nicht. Gerade in Liebesdingen, klar ist die erste Liebe für sie usw. usf., aber selbst als Hauptfigur konnte ich nicht so richtig mit ihr mitfühlen.
Mit Cy war es noch schlimmer. Jo und Patience meinten in der Handlung, man müsse ihn einfach mögen. Tja, dass war bei mir leider nicht der Fall. Ich konnte ihn von Anfang an nicht leiden, was wohl auch an seinen ständigen Stimmungsschwankungen lag, die schlimmer sind als bei einer Frau und diese andauernden Eifersüchteleien, die völlig grundlos waren. Manchmal bekam ich beim Lesen auch das Gefühl, dass Jo und Cy sich da mit ihrer Liebe was vormachen und nur dem anderen etwas abverlangen und etwas aufzwingen wollen. Es kam wie erwähnt einfach nichts rüber und die Liebesgeschichte wirkte ohnehin viel zu überhastet. Gerade bei den Watchern, deren Gefühle unterdrückt werden, hätte ich mir gewünscht, dass die Autorinnen sich viel mehr Zeit lassen, dann hätte es vielleicht auch damit super geklappt.
Patience mochte ich eigentlich ganz gern, auch wenn sie die meiste Zeit leider viel zu sehr im Hintergrund blieb. Eine Nebenfigur, die nett aussieht und ab und an mal was sagt, dass war mir leider viel zu wenig und ich hoffe, sie kommt in Band 2 etwas mehr in den Vordergrund, da sie immerhin in der Geschichte der Fokuspunkt ist und eigentlich eine sehr wichtige Rolle spielt. Manchmal wirkte sie leider auch ein wenig verstörend, als würde sie die Gefahr gar nicht richtig realisieren. Meistens hat sie wirklich nur dumm gelächelt und sich nicht um gefährliche Situationen geschert, was merkwürdig ist bei einem Mädchen, das wohlbehütet aufgewachsen ist und eigentlich in vielen Situationen extremer hätte reagieren müssen. Ich hätte mir auch gewünscht, dass die Autorinnen mehr auf ihre Gabe eingegangen wären.
So das waren die wichtigsten Punkte, die mir aufgefallen sind und mir gar nicht gefallen haben, dafür fand ich es natürlich großartig, dass die Autorinnen die Welt mit jedem Kapitel dem Leser etwas näher gebracht haben und immer mal wieder interessante Informationen und Wendungen eingestreut haben.
Das Ende fand ich klasse, nur leider hat der Epilog so ein wenig die Spannung der letzten beiden Kapitel weggenommen, auch wenn mir der neue Zwist zwischen Patience und Jo gefällt, dass dürfte so einige Schwierigkeiten mit sich bringen in den nächsten Bänden.
Die einzigen Charaktere die ich wirklich total mochte, waren der weibliche Cupid Lynn, deren Kapitel leider viel zu selten vorkamen und die ich auch sehr spannend fand und Skinner, der im Verlauf der Story auftaucht und frischen Wind mit sich bringt. Ich fand es auch interessant, was er für heftige Gefühlsausbrüche bei Jo geweckt hat und ein kleines bisschen hoffe ich sogar noch, dass Jo statt mit Cy mit Skinner zusammen kommen würde, da die beiden einfach besser harmonieren (und mal ganz ehrlich, eine Liebesgeschichte zwischen einem Watcher und einem Cupid wäre viel aufregender!) und ich muss gestehen Patience und Cy würden schon irgendwie ein niedliches Paar abgeben.
Was mich dann aber doch überrascht hat waren die Zombies. Im ersten Moment wirkte es irgendwie total unpassend, aber da ich Zombies klasse finde, nehme ich das den Autorinnen auch nicht übel. Nur am Ende erinnert das doch schon alles ein klein wenig an Resident Evil und die Umbrella Corporation.

Fazit:

Ich hatte so meine Probleme mit den Figuren und konnte nicht richtig mit ihnen warm werden und der Liebesgeschichte, aber wer sich davon nicht abschrecken lässt, sollte durchaus mal einen Blick in den Auftakt dieser neuen dystopischen Trilogie werfen. Klar, hier und da hat die Handlung ihre Schwächen, aber sie ist auch sehr spannend und die Welt ist interessant aufgebaut.

Bewertung:


Zu den Autorinnen:



Nadine d'Arachart wurde 1985 in Hattingen geboren und schreibt seit vielen Jahren gemeinsam mit Sarah Wedler. Neben diversen Veröffentlichungen in Anthologien und Jahrbüchern erhielten sie gemeinsam verschiedene Preise für ihre Kurzgeschichten und Drehbuchideen - u.A. den Ideale Literaturpreis und den Green Me Story Award. 2011 standen die beiden im Finale des Open Mike in Berlin. Zuletzt wurden Nadine und Sarah mit dem Förderpreis zum Literaturpreis Ruhr 2012 ausgezeichnet. "Die Muse des Mörders" ist ihre erste Romanveröffentlichung. Im April folgte der Thriller "Abgründe" als E-Book.





Sarah Wedler wurde 1986 geboren und lebt in Hattingen. Sie studiert Sozialwissenschaft an der Ruhr-Universität in Bochum und schreibt seit vielen Jahren Kurzgeschichten und Drehbücher. Gemeinsam mit Nadine d'Arachart wurde sie bereits mehrfach mit Literatur- und Drehbuchpreisen ausgezeichnet - u.A. mit dem Kubischu Förderpreis und dem Aachener Drehbuchpreis. 2011 stand sie gemeinsam mit Nadine im Finale des Berliner Open Mike; 2012 wurden beide mit dem Förderpreis zum Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet. "Die Muse des Mörders" ist der erste Krimi, den die beiden Autorinnen gemeinsam veröffentlicht haben. Später folgte der Thriller "Abgründe" als E-Book.

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