Montag, 11. August 2014

Totenfrau von Bernhard Aichner (Rezension)



Infos zum Buch:

Verlag: btb
Seiten: 448 (gebundene Ausgabe)
          449 (E-Book)
Preis: 19,99 € (Print)
         15,99 € (E-Book)

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Homepage des Autors (nicht gefunden)










Beschreibung:

Als Tochter eines Bestatters aufgewachsen lernt Blum durch einen skurrilen Zufall den Polizisten Mark kennen. Sie heiraten und bekommen Kinder. Es könnte so schön sein und doch muss Mark sterben. Blum kann nicht damit leben, sich nicht damit abfinden und erinnert sich an etwas das Mark Sorgen bereitet hatte. Sie forscht nach und stößt auf mehrere Gespräche, die er mit einer obdachlosen Frau geführt hat die absurd klingen und niemals wahr sein könnten, bis Blum diese Frau aufspürt und beginnt ihre verzweifelte Geschichte zu glauben. Dass sie und zwei weitere illegale Einwanderer in einem Keller eingesperrt waren und ihnen Gewalt angetan wurde. Fünf Männer, die Blum büßen lassen will für ihre Taten und den Tod ihres Mannes.

Meine Meinung:

Die Geschichte verläuft relativ linear. Am Anfang hatte ich das Gefühl es läuft viel zu leicht für Blum, dass diese Männer ihr praktisch in die Arme laufen, aber mit der Zeit wird es doch etwas schwieriger und später arbeitet sie sogar mit einem Komplizen zusammen. Die Handlung an sich ist erschreckend, gerade weil es solche Themen sind, die man in den letzten Jahren auch aus den Medien immer mal wieder gehört oder gesehen hat. Bernhard Aichner hat nichts beschönigt oder ausgelassen. Er hat beschrieben wie grausam und abartig Menschen sein können, die uns im Alltag so völlig normal erscheinen. Das Buch ist daher nichts für Zartbesaitete und eher etwas für hartgesottene Leser. Mir selbst hat sich beim Lesen öfter mal der Magen umgedreht, weil es absolut widerlich ist was diese Dreckschweine getan haben, aber auch bei Blums Arbeit als Bestatterin gab es einige eklige Momente, die ich aber auch interessant fand, weil man so auch mal einen Blick in ein Bestattungsunternehmen werfen konnte. Hier hat Aichner ganze Arbeit geleistet.
Der Schreibstil des Autors mag Anfangs ungewöhnlich erscheinen, liest sich aber sehr flüssig, wenn man erst mal die ersten Seiten gelesen hat. Er benutzt sehr kurze Sätze, oft nur wenige Wörter und die Dialoge, meist nur von zwei Personen gehalten, wirken eher wie ein Drehbuch. Die Kapitel sind recht kurz gehalten und laden zum Weiterlesen ein. Schnelle Leser könnten das Buch durchaus an einem Tag schaffen.
Was die Charaktere angeht so war ich erstaunt, dass mir Blum so sympathisch war. Nachdem was sie getan hat wirkt sie zwar etwas skurril auf mich, aber irgendwie konnte ich es auch nachvollziehen, dass sie es tun musste, dass diese Männer eben nicht weiterhin Menschen misshandeln durften, dass sie genauso leiden mussten wie Dunja, Ilena und Youn es erleiden mussten. Blum, als Rachenengel und fürsorgliche Mutter. Trotzdem geht das Konzept auf und Bernhard Aichner hat ihre Gefühle oft genug in den Mittelpunkt gestellt, sie zweifeln und Angst haben lassen, in anderen Moment wiederum kühl und bestrebt ihre Pläne auszuführen.
Massimo mochte ich eher weniger, er war mir irgendwie zu aufdringlich, hingegen fand ich Reza sehr interessant und ich habe die Stellen mit ihm und Blum sehr gerne gelesen, auch die mit Blum und Mark waren wirklich schön, teilweise auch lustig, aber nie deplatziert.
So im Endeffekt hat der Autor mich dasselbe empfinden lassen wir Blum sich gefühlt hat. Die Ängste, Zweifel, den Hass auf diese Männer, die Genugtuung, dass sie für ihr Vergehen bestraft werden mussten. Der Vergleich zur Serie Dexter hat mir gut gefallen, denn im Prinzip war es genau das was Blum auch getan hat.
Zu bemängeln habe ich jetzt nicht wirklich etwas. Klar, die Grausamkeiten hätte man durchaus etwas herabsenken können, einige Szenen sind wirklich harte Kost und abstoßend.
Alles in allem ist es eine runde Handlung, hätte vielleicht etwas mehr Spannung und Wendungen haben können, aber das wird wohl Geschmackssache sein.
Das Ende hat mir gefallen, sorgte noch für einen kurzen Aha-Moment und auch wenn das Ende so ein wenig offen bleibt, kann es gut für sich stehen.

Fazit:

Es ist kein Buch, dass ich öfter lesen würde, aber der Schreibstil ist interessant, die Handlung ist faszinierend und abstoßend zugleich und Fans von Bernhard Aichner werden wohl ohnehin zugreifen. Man sollte sich aber bewusst sein, dass dieses Buch nicht für jeden etwas ist. Zartbesaitete Leser sollten daher wohl lieber zu einem anderen Thriller greifen.

Bewertung:

 

Zum Autor:



Bernhard Aichner wurde 1972 geboren und lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck/Österreich. Aichner schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Nach den Spannungsromanen Nur Blau (2006) und Schnee kommt (2009) erschienen bei Haymon die Max-Broll-Krimis Die Schöne und der Tod (2010), Für immer tot (2011) und Leichenspiele (2012). Totenfrau ist der erste Thriller, der bei btb erscheint. Für die Recherche dazu arbeitete Aichner ein halbes Jahr bei einem Bestattungsinstitut als Aushilfe. Er wird diese Leserunde als Autor begleiten.

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